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Sterne über der Ahornalp
Das Frühjahrestreffen auf der Ahornalp 18.-20.5.2007
Wenn man mit einem Teleskop von Deutschland aus in die Schweiz reist, hat man eine ganze Menge Grenzformalitäten zu berücksichtigen. Wenn mich jemand fragen würde, ob sich der geradzu wahnsinnige bürokratische Aufwand für zwei klare Nächte lohnt, würde ich trotzdem mit einem entschiedenen "Ja!" antworten. Durch das gute Seeing in den Alpen wird man auf jeden Fall entschädigt.

Diesmal sind wir mit einem Wohnwagenanhänger zum Frühjahrestreffen auf die Ahornalp gereist. Das ist natürlich absolut komfortabel, wenngleich ich aber beim Anstieg auf die Alp über die ungesicherte schmale Straße ein mulmiges Gefühl nicht ganz unterdrücken konnte. Da darf einem von oben nichts Größeres entgegenkommen...

Nach einer Schlechtwetter-Periode brachten wir also bestes Astrowetter in die Schweiz mit und der Abend begann mit einem traumhaften Sonnenuntergang. Knapp über dem Horizont war gerade noch Merkur sichtbar, dann die ganz junge - 2 Tage alte - Mondsichel, darüber in strahlendem Glanz die Venus (Halbsichel). Unsere Geräte und die der Schweizer Sternfreunde waren aufgebaut und wir stellten die ersten Objekte ein.

Der tiefstehende Mond ist mit binokularem Sehen im Dobson-Teleskop schon eine Klasse für sich. Das nächste Objekt war - bei voranschreitender Dunkelheit - Saturn, der im Löwen hoch am Himmel stand. Es folgte der Kugelsternhaufen M3 der durch seine Helligkeit auch in der Dämmerung schon interessant ist.

Nach Einbruch der Dunkelheit kamen die Galaxien an die Reihe. Zunächst war die Markariankette im Grenzgebiet zwischen Löwe, Jungfrau und Coma angesagt. Der Virgohaufen ist etwa 55 Mio. Lichtjahre entfernt. Sehr viel weiter weg ist der Coma-Haufen, nämlich 300 Mio. Lichtjahre. Die Galaxien sind dann im Blickfeld natürlich kleiner und viel dichter zusammengedrängt. Man findet dieses Objekt bei RA 13h und DE 28°.

Nach diesen Ansammlungen wollte ich ein paar strukturierte Galaxien sehen: M51 zeigte seine Spiralstriktur optimal bei etwa 120-facher Vergrößerung, der Sombrero M104 stand schon tief, war aber auch gerade noch sichtbar. Die Silbernadel NGC 4244 - edge on - ohne Staubstruktur und die Nadel NGC 4565 - edge on - mit Staubband rundeten meinen Ausblick auf die Galaxien ab.

Inzwischen war das Sommerdreieck mit seinen Objekten heraufgezogen und die Milchstraße in ihrer Pracht sichtbar. Gegen 1 Uhr war auch der Wind eingeschalafen und das Seeing traumhaft. Gegen 2:30 Uhr standen Cirrusnebel, M8 und M20 auf der Beobachtungsliste. Dann habe ich wieder einmal den Eulennebel M97 im großen Bären versucht. Ich habe es ohne Filter versucht und mit UHC und OIII, aber der will mich einfach nicht anschauen. Bei 120 facher Vergrößerung kam der mir auch recht schwach vor. Etwas frustiert habe ich mir dann bei 170-facher Vergrößerung den Ringnebel mit UHC-Filter angesehen. Der Zentralstern verweigerte sich hier meinem Blick. Überhaupt wirkte das ganze Objekt im Binokular mit Filter wie ein "Verhüterli" ...

Besser war NGC 6826 - der blinkende planetarische Nebel im Schwan. Bei etwa 120 facher Vergrößerung sehe ich den Nebel zwischen Zentralstern und Fläche hin- und herspringen. Gegen 3 Uhr stand Jupiter noch recht tief am Horizont war aber bei Vergrößerungen um 400 fach mit fein strukturierten Wolkenbändern ganz ruhig im Okular zu beobachten. Ein besonderes Schauspiel bot ein Jupitermond (Io?), der unmittelbar am Planetenrand fast plastisch sichtbar war. Zum Schluss gab es noch einen Blick auf M11. Dann wurde alles eingepackt.

Am nächsten Tag stellt sich heraus. dass mein Spiegel aus der Halteschlaufe gerutscht war und ich den ersten Abend mit dejustiertem Spiegel beobachtet hatte. Nun ja, das war nun behoben und für den zweiten Abend hatte ich mir eine größeres Beobachtungsprogramm überlegt. Leider zogen Zirren auf und das Seeing war bei weitem nicht so gut wie am vorherigen Abend. In der Dämmerung wurden zunächst wieder Mond und Saturn beobachtet, danach habe ich mich zuerst den Doppelsternen zugewendet.

Im Sternbild Corona Borealis wurden beobachtet: OΣ305 (gelb/dunkel 6/10mag 5"), ζ-CrB (weiß/weiß 5/6mag 6"), Σ2022 (gelblich/bläulich 6/9.5mag 2"), σ-CrB (gelblich/weiß 5/6mag 6"). Im Sternbild Löwe war ι-Leo (gelb/? 4/6.5mag 1") ganz reizvoll, auch π-Boo (weiß/weiß 5/6mag 6") wurde angeschaut.
Nach Einbruch der Nacht waren die Galaxien wieder an der Reihe. Das Teleskop wurde auf monokulares Beobachten umgebaut. Leider war der Himmel nicht so transparent wie in der Nacht vorher, aber für einige interessante Objekte hat es dennoch gereicht: Die Box-Galaxis NGC 4449 wirkte ausgefranst und zeigte einige Knoten. Ein wenig erinnert diese Form an ein Gummibärchen... Interessant ist, dass dieses Objekt eine ähnliche Struktur wie die kleine magellansche Wolke hat.

Caldwell 32 (NGC 4631) wurde dann eingestellt. Direkt über der flachen Linse liegt eine kleine kugelförmige Galaxis NGC 4627, dazwischen ist ein kleiner Stern. Etwas unterhalb dieses Pärchens findet sich der Hockeyschläger NGC 4656/7.
Für die chaotischen Strukturen in M106 fehlte mir an diesem Abend der Blick. So gab es zum Schluss noch einen Blick auf den Kometen des Abends, der hoch im Drachen stand: RA 15h 35,5m, DE 62°34' zeigte die Elektronik an. Das Objekt stand gegen 1:45 im Zenith und mag etwa 6. Größe gehabt haben.

Zum Schluß habe ich mir noch M6 und M7 im Fernglas angesehen, die über den Schnee bedeckten Alpengipfeln des Berner Oberlandes sichtbar waren. Ich denke, im kommenden Jahr bin ich wieder dabei, trotz des Theaters an der Grenze bei der Rückreise. Da am Sonntag am Bregenzer Grenzübergang Lustenau kein Zöllner (die arbeiten Sonntags nicht...) war, der unser INF3 abfertigen wollte ("Kommen Sie morgen früh noch mal vorbei"), blieb uns nichts anderes übrig, als von Bregenz aus wieder nach Kreuzlingen zu fahren und dort über den deutschen Zoll einzureisen. Was lernen wir daraus: Es gibt keine Österreicher-Witze... Das sind alles wahre Geschichten! Sorry, aber das musste ich loswerden.

Einige der hier besprochenen Objekte findet man auf unseren Deep Sky Seiten. Der nächste Link zeigt weitere Exkursionsberichte.
(Heinz Beister, 2007)
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