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Nikolaus Kopernikus

Martin Luther schien nicht viel von dem großen astronomischen Theoretiker Nikolaus Kopernikus gehalten zu haben. Bei einer Tischrede machte er sich über ihn lustig: "Der Narr will die ganze Astronomiae umbkehren! Aber wie die Heilige Schrift anzeigt, so hieß Josua die Sonne still stehen und nicht das Erdreich!" [1]. Doch er, wie Luther, sollten in ihrem Leben einen Paradigmenwechsel bewirken, d.h., sie würden das Denken der Menschen verändern.

Kopernikus

Kopernikus war der Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns, der schon starb, als das Kind erst zehn Jahre alt war. Sein Onkel Lukas Watzelrode übernahm die Vormundschaft seiner beiden verwaisten Neffen. Er muss ein düsterer Mann gewesen sein, denn von ihm wird behauptet, dass er in nie seinem Leben gelacht habe. Kopernikus studierte Mathematik und Astronomie in Krakau. Danach ging er nach Italien und studierte in Bologna, Padua und Ferrara weltliches und kirchliches Recht. Er beendete seine Studien mit Medizin.

Inzwischen war Kopernikus Onkel Watzelrode zum Bischof von Ermland geworden. Als Kopernikus nach Polen zurückkehrte, wurde er zum Kanonikus ernannt und war sogleich Leibarzt seines Onkels. Nach Sitte seiner Zeit latinisierte er seinen Namen in Copernicus. Kopernikus scheint übrigens auch ein schwieriger Mensch gewesen zu sein, denn er hatte nur wenige Freunde und er heiratete nie. Allerdings wurde ein Verhältnis mit seine Haushälterin Anna bekannt. Nach Aufforderung der Kirchenbehörde beendete er diese Liaison. Kopernikus verbrachte viel Zeit damit, über das Sonnensystem nachzudenken. Das alte geozentrische Weltbild befriedigte ihn nicht, denn nach seinen Überlegungen dürfte kein Planet rückwärts laufen, wenn die Erde wirklich der Mittelpunkt des Universums sei.

In Thorn quartierte er sich in einen Turm ein und schrieb ein Leben lang an seiner Idee von der Sonne als Mittelpunkt des Planetensystems. Die vielen Widersprüche, die im geozentrischen Weltbild auftauchten, ließen sich durch ein heliozentrisches Weltbild widerspruchsfrei erklären. Kopernikus entfachte keinen öffentlichen Diskurs um seine Theorie. Vermutlich hätte er diese Theorie ein Leben lang für sich behalten, hätte er nicht am Ende seines Lebens einen Schüler bekommen, der die Bedeutung der Theorie sofort verstand. Der einzige wahre Freund von Kopernikus, Bischof Tiedemann Giese, versuchte mit dem neuen Schüler Georg Joachim von Lauchen, Kopernikus davon zu überzeugen, dass er seine Gedanken in einem Gesamtwerk veröffentlichen sollte. Mit großem Einsatz Rethicus sollte das Werk 1542 in Nürnberg gedruckt werden. Kurz vor der Veröffentlichung scheint er sich aber mit Rheticus überworfen zu haben, denn als es ein Jahr später erschien, fehlte unbegreiflicher Weise jeder Hinweis auf Rethicus, der doch einen ganz entscheidendenden Anteil an der Drucklegung gehabt hatte.

Kopernikus war sich klar darüber, dass seine Theorie von der Sonne als Mittelpunkt des Planetensystems der Lehre der Kirche widersprach. Deswegen widmete er es vorsichtshalber dem Papst, was ihm aber auch nichts nützte - es wurde später sowieso auf den Index gesetzt.

[1] Martin Luther, Tischreden IV, no. 4630 Weimar, 1916. Hier bezieht er sich auf Josua 10,13

2010 © Alexander von Behaim-Schwartzbach