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Das Erdbeben von Basel im Jahre 1356

Am Tage des heiligen Lukas im Jahre 1356, das ist der 18. Oktober, brach eine Apokalypse (1) über Basel herein. Mehrere Erdstöße ließen viele Häuser einstürzen. Einige Kirchtürme fielen um - und auch das Münster wurde beschädigt (2). 1433 schrieb Aeneas Silvius Piccolomini: "Basel soll vor nunmehr 80 Jahren durch wiederholte Erdstösse so gründlich zerstört worden sein, dass keine 100 Häuser diese Katastrophe überdauerten." Im Umkreis von 4 Meilen, berichtet ein anderer Chronist, wurden 34 Schlösser, Burgen und Dörfer zerstört. "Man muss annehmen, dass wohl sämtliche Burgen unseres Gebietes durch dieses Erdbeben weitgehend zerstört oder doch schwer beschädigt wurden", wird an einer anderen Stelle berichtet.

Basel 1356

Die Schäden im gesamten Basler Umland waren gewaltig. Noch im 100 km entfernten Straßburg fielen viele Schornsteine von den Dächern. Die Erdstöße erschütterten mehrere Tage lang die Erde und eine Feuersbrunst vollendete die Zerstörungen in der Stadt. Selbst im dreihundert Kilometer entfernten Burgund stürzten noch die Stadtmauern ein. Im Nachhinein haben Seismologen berechnet, dass das Erdbeben Stärke 9-10 auf der MSK-Skala hatte, was einem Wert von 6,5 auf der Richterskala gleichkäme. Es war damit eines der schwersten Erdbeben, an das sich die Menschen in Europa erinnern konnten.

Graben

Europa zerbricht in zwei Hälften

Welche Ursachen führten zu dieser Katastrophe? Afrika bewegt sich wie eine Dampfwalze seit Millionen Jahren im Millimetertempo auf Europa zu. Italien, das geologisch zu Afrika gehört, bohrt sich wie eine Lanze in den europäischen Kontinent. Als Folge hat sich der alte Tethys-Meeresboden zu einem Hochgebirge hochgewuchtet. Die Alpen sind also salopp formuliert so etwas wie eine Knautschzone. Von Marseille (Rhonetal) bis nach Oslo ist Europa zersprungen. Dass der Rheingraben eine geologische Schwächezone ist, darauf deuten viele Dinge. Von Zurzach bis Baden-Baden drängen heiße Quellen an die Oberfläche.

Wir können von Glück sagen, dass die Europäische Platte und die Franco-Iberische Platte nicht seitlich aneinander schrammen, sondern von einander weg treiben. Dadurch ist ein Graben entstanden, der schon über dreitausend Meter in die Tiefe abgerutscht ist. Wir merken davon nichts, da das entstandene Tal von Geröllmassen ständig wieder aufgefüllt wird. Manchmal verhaken sich die Kontinentalschollen ineinander und es herrscht über lange Zeit Ruhe, manchmal über viele Jahrhunderte. Es sieht so aus, als seien die Platten endlich zur Ruhe gekommen. Aber das ist nur Trug. Die Konvektionsströme stauen tief im Erdinneren eine gewaltige Kraft auf. Wenn die Verhakung an den Schollen endlich wegplatzt, entlädt sich die aufgestaute Spannung mit einem gewaltigen Ruck.

Je länger ein erwartetes Erdbeben ausbleibt, desto stärker wird es ausfallen. Die Geologen in Basel wissen, dass ein neues Beben längst überfällig ist. Es wird kommen. Vielleicht heute, vielleicht morgen oder erst in über hundert Jahren, oder irgendwann dazwischen.

(1) Das schreckliche Weltende in den Offenbarungen des Johannes
(2) s.a. Dr. Erhard Richter, Beiträge zur Geschichte von Grenzach-Wyhlen und Umgebung, S 100.

 

Wissen kompakt

  • Am 8. 10. 1356 ereignete sich in Basel ein außergewöhnlich schweres Erdbeben. Es zerstörte fast die ganze Stadt. Im Umkreis von 4 Meilen wurden zahlreiche Schlösser, Burgen und Dörfer zerstört. Die Zerstörungen im weiteren Umland waren gewaltig. Noch im dreihundert Kilometer entfernten Burgund wurden die Stadtmauern beschädigt.
  • Das Rheinknie bei Basel ist ein Erdbebengebiet.
  • Da der Riesenkontinent Afrika auf Europa prallt, zerbricht Europa in zwei Hälften. Dabei bricht der Rheingraben ein. Das Grabensystem reicht im Süden bis zur Rhône-Mündung. Im Norden endet der Grabenbruch im Oslofijord.
  • Wie ein Keil sackt eine dreißig Kilometer breite Fläche in den Rheingraben. In dem Moment, wenn die Scholle tiefer sackt, wird ein neues Erdbeben ausgelöst. Daher wird es am Oberrhein immer wieder Erdbeben geben.

© 2010 Alexander von Behaim Schwartzbach